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Donnerstag, 10. Dezember 2015

Stern.de: Das LaGeSo ist der innerste Höllenkreis der deutschen Flüchtlingskrise.

In drastischen Worten und bildhaft einprägsam schreit ein aktueller Bericht des Stern nach Verbesserungen am LaGeSo. Mehr Ausdruck im Journalismus geht kaum. Ob diesen öffentlichen Hilferuf überhaupt jemand erhören wird? Wer ist zuständig? Wer fühlt sich zuständig?

http://www.stern.de/politik/deutschland/lageso-chef-franz-allert-schmeisst-ob-chaotischer-zustaende-hin-6597796.html



Lageso-Chef schmeißt ob chaotischer Zustände hin


Die zentrale Behörde für Flüchtlinge in Berlin bekommt die Versorgung der Asylbewerber einfach nicht in den Griff. Jetzt tritt der Behördenchef zurück - und kommt damit wohl seinem Rauswurf zuvor.

CDU spricht von "öffentlicher Hinrichtung" des Lageso-Chefs

CDU sieht Flüchtlingsfragen offensichtlich als "Randproblem". Ja sind denn hier alle irre geworden? Damit macht sich eher die CDU zum Randproblem der Politik. Mehr fällt den sog. Papier - Christlichen dazu wohl nicht mehr ein? Das LaGeSo Chaos schon wieder vergessen gemacht? Christliches Verantwortungsbewusstsein: abgeschrieben? Wahlkampf: eröffnet!

Schämt Euch! Die Bürger*innen Berlins haben die Quittung für Euch bereits parat!

http://www.sueddeutsche.de/politik/allert-ruecktritt-in-berlin-cdu-spricht-von-oeffentlicher-hinrichtung-des-lageso-chefs-1.2776245

Die in Berlin mitregierende CDU kritisierte Müller für sein Vorgehen. Fraktionsvize Stefan Evers sprach am Donnerstag im RBB von einer "öffentlichen Hinrichtung". "Das hätte man nicht so machen müssen", sagte er. Viel wichtiger als ein solches "Randproblem" sei es, die personellen Strukturen für das neue Amt für Flüchtlingsangelegenheiten so rasch wie möglich zu schaffen. Evers erinnerte daran, dass Allert für diese Behörde ohnehin nicht mehr zuständig gewesen wäre.

Heribert Prantl (SZ): ...über das LaGeSo

Die Bedingungen dort seien derart, dass sie "eine gesittete Nation nicht ohne Erröten betrachten" könne.
 
http://www.sueddeutsche.de/politik/fluechtlingschaos-in-berlin-die-schlechteste-behoerde-deutschlands-1.2776283

Flüchtlingschaos in Berlin Die schlechteste Behörde Deutschlands 

Das Berliner Lageso steht in der Flüchtlingskrise für totales Versagen. Jetzt ist Amtsleiter Franz Allert zurückgetreten. Ein überfälliger Schritt. 





Kommentar von Heribert Prantl
 
Der SPD-Vorstand hat für den an diesem Donnerstag beginnenden Parteitag einen respektablen 19-seitigen Antrag zur Flüchtlingspolitik formuliert: Darin steht viel Kluges, viel Bemerkens- und Bedenkenswertes. Wenn dieser Antrag nicht nur Papier bliebe, sondern Leitlinie würde für die deutsche Einwanderungs-, Migrations- und Integrationspolitik: Man könnte zuversichtlich in die Zukunft schauen. Aber die Praxis der Bundesregierung unter Angela Merkel und Sigmar Gabriel ist von den Leitlinien des SPD-Papiers weit entfernt. So viel zum Bund.
Wenn es um das Bundesland Berlin geht, um die Flüchtlingspolitik in der Hauptstadt also, dann ist es noch viel schlimmer. Die Entfernung zwischen dem schönen SPD-Papier und der Realität in Berlin lässt sich nur in Lichtjahren messen. Die Realität in Berlin heißt Lageso; das ist das Kürzel für das "Landesamt für Gesundheit und Soziales". Es steht seit Monaten für ein totales Behördenversagen. Die Behörde dieses Namens soll die Flüchtlinge betreuen; sie ist nicht einmal in der Lage, sie zu registrieren.

So sieht abschreckende Flüchtlingspolitik aus

Das Ordnungssystem dieser Behörde ist das Chaos. Die unbearbeiteten Fälle dort stapeln sich in gelben Postkisten, die ohne System und Verstand irgendwo gelagert werden. Es gibt in diesem Amt, so erzählen es willige Mitarbeiter, den Job des Aktensuchers; diese Leute sind nur damit befasst, Akten zu suchen. Und draußen vor der Tür warten Tag für Tag vom frühesten Morgen an Männer, Frauen und Kinder, die, oft genug vergeblich, um die Dienste des Amtes betteln. Berlin wird gern als coole Stadt beschrieben; aber das hier ist nicht cool, sondern nur unwürdig.
Der Historiker Cordon Craig zitiert in seiner "Deutschen Geschichte von 1866 bis 1945" den Historiker Treitschke, der über die Zustände im Mecklenburg des ausgehenden 19. Jahrhunderts geschrieben hat: Die Bedingungen dort seien derart, dass sie "eine gesittete Nation nicht ohne Erröten betrachten" könne. Das gilt heute für Berlin: Das Lageso ist wohl die schlechteste Verwaltungsbehörde Deutschlands. Verantwortlich dafür ist nicht nur der Sozialsenator Mario Czaja von der CDU; verantwortlich ist der Regierende Bürgermeister Michael Müller von der SPD, verantwortlich ist der gesamte rot-schwarze Senat.
Nun ist wenigstens Lageso-Präsident Franz Allert zurückgetreten. Müller hatte zuvor auf dessen Entlassung gedrängt, sich aber viel zu viel Zeit gelassen. Das hat dem Ansehen Berlins geschadet. Zuletzt hatte Allert angekündigt, über Weihnachten keine Flüchtlinge zu registrieren.

Wer in der Praxis studieren wollte, wie abschreckende Flüchtlingspolitik aussieht, der musste sich nur im Lageso umschauen. Was dort zu sehen war, war sicher nicht das Ergebnis böser Planung, wohl aber das von Unfähigkeit. Bürgermeister Müller wird gewiss leugnen, dass man in seiner Stadt Flüchtlinge abschrecken wolle; er redet ja gut über sie, er wird gewiss auch für den Antrag seines Parteivorstands stimmen.

In diesem Antrag ist von einer "Verantwortungsgemeinschaft" die Rede; es müsse allen die Hand gereicht werden, "die mit Herz und dem notwendigen Sinn für die Realität" Flüchtlingsarbeit machen. In Berlin reicht es aber nicht mehr, die Hand zu reichen. Dort fehlte es der Regierung und Verwaltung bisher an Herz und Hirn, es fehlte an der Beachtung der Grundregeln der Bürokratie, es fehlte daran, dass jemand dem Flüchtlingsamt das Phlegma und den stoischen Schlendrian austreibt.

Vierzig Rechtsanwälte haben gegen den CDU-Sozialsenator und dessen Lageso-Amtsleiter Anzeige wegen Körperverletzung und Nötigung im Amt eingereicht. Das war ein Hilferuf. Michael Müller hat ihn nun gehört. Der Regierende Bürgermeister hat reagiert - immerhin.


 

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Der Rausschmiss von Allert - hier nochmals in bestem PR-Deutsch O-Ton

Die Kontakte dieses blogs werden immer "hochrahmiger"... also:

Am 09.12.2015 um 21:24 schrieb Pressestelle@......

Der Senator für Gesundheit und Soziales Mario Czaja erklärt:

"Ich teile die Auffassung des Regierenden Bürgermeisters, dass die aktuellen Herausforderungen in der Flüchtlingsfrage auch einer personellen Erneuerung bedürfen.

Bereits in den vergangen Wochen und Monaten haben der Regierende Bürgermeister und ich gemeinsam den Stab gegründet, für den der Senat einen zusätzlichen Staatssekretär berufen hat. Zusätzlich dazu habe ich als Senator dafür gesorgt, dass Mitarbeiter aus anderen Verwaltungen abgeordnet worden sind, um die Arbeit zu unterstützen. Mit diesen Entscheidungen haben wir auch unsere gemeinsame Auffassung zum Ausdruck gebracht, dass es sich bei diesem großen Thema um eine gesamtstädtische Aufgabe handelt.

Ich bin auch der Überzeugung, dass wir die derzeitige Herausforderung in dieser seit September feststellbaren Intensität nur mit neuen Strukturen, Prozessen und natürlich auch mit weiterem Personal meistern werden. Daher habe ich mit dem neuen Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten die entsprechenden Rahmenbedingungen für eine inhaltliche und insbesondere auch personelle Neuaufstellung vorgesehen.

In Anbetracht der massiven persönlichen Kritik an Franz Allert hat dieser mich gebeten, ihn mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freizustellen. Ich werde dieser Bitte entsprechen und respektiere diesen Schritt."

Mit freundlichen Grüßen
Regina Kneiding
Pressesprecherin
    Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales

Offener Brief zur medizinischen Versorgung im MedicalPoint am LaGeSo in Berlin



Offener Brief zur medizinischen Versorgung im Medipoint am LaGeSo

An
·        Dr. Koska / Serah Can, Caritas
·        Dr. Seybold, Charite
·        Herrn Allert, LaGeSo
·        Verwaltung des Senats, Senator Czaja
·        Dr. G. Jonitz, Ärztekammer
·        RBB online
·        Moabit hilft

Seit August arbeiten täglich in 2 Schichten Ärzte und medizinische Helfer unterschiedlicher Fachrichtungen ehrenamtlich (EA) in der Betreuung von Flüchtlingen, die auf dem Gelände des LaGeSo Tag und Nacht in unterschiedlichen Warteschlangen sich befinden, bis zu einem Drittel davon sind Kinder. Ein Teil der Patienten ist krank, oder werden es – durch die Wetterbedingungen und den engen Kontakt mit anderen. Viele Patienten sind noch nicht registriert. Sie haben somit keinen Anspruch auf Teilhabe am regulären ambulanten Gesundheitssystem. Sie sind auf die Versorgung wie im Medipoint angewiesen.

Viele Patienten sind bereits registriert, haben den grünen Krankenschein, wissen aber oft gar nicht was sie damit anfangen können. Sie müssen meist in verschiedenen Schlangen anstehen (z.B. Leistungsabteilung) und nutzen das Warten um ihre Gesundheitsprobleme im Medipoint vorzustellen. Durch das Missverhältnis zwischen Andrang und der Bearbeitung werden viele Menschen nach stundenlangem Warten auf einen Termin an einem anderen Tag vertröstet, auch für einfache Leistungen wie das Verlängern des grünen Krankenscheins.

Inzwischen haben sich die räumlichen und logistischen Arbeitsbedingungen für die Ärzte/Helfer im Haus M erheblich verbessert. Das ist zweifelsfrei durch die Beteiligung der Charité erreicht worden. Die Zahl der Ärzte, die von der Charité und der Bundeswehr bereitgestellt werden reicht jedoch nicht aus, um auf die ehrenamtlich tätigen Ärzte/Helfer verzichten zu können. Besonders bei den Kinderärzten besteht großer Bedarf, der durch die Charité nicht gedeckt wird. Der Hintergrund ist die prekäre Personalsituation in den Kinderkliniken der Charité, die es nicht erlaubt, Kinderärzte abzustellen für die Arbeit im LaGeSo.

Einzelne Ärzte wurden von der Leitung der Charité angesprochen, in Honorartätigkeit für die Charité im Medipoint tätig zu werden. Dennoch gibt es immer noch ein Nebeneinander von Ärzten, die als Angestellte für die selbe Tätigkeit honoriert werden, andere jedoch nicht.

Inzwischen ist die Arbeit für Ärzte und medizinische Helfer am LaGeSo extrem erschwert. Die Versorgung akuter Erkrankungen wird verdrängt durch sogenannte "Härtefälle alt“ - Patienten die schon seit Wochen auf die Registrierung warten und immer wieder anstehen müssen, um zur Registrierung zu gelangen. Sie werden vom Wachpersonal am Eingang  zum Medipoint geschickt, um von uns eine Härtefallbescheinigung zu bekommen, die bestätigt dass die Erkrankung eines Familienmitglieds oder die eigene eine besondere Härte darstelle, die ein Warten in der Schlange unzumutbar macht. Viele dieser Begehren sind aus medizinischer Sicht berechtigt, wir sind gehalten, nicht berechtigte Nachfragen auszusortieren nach Kriterien, die von der Caritas/Behörde vorgegeben werden.

Unser Problem ist – da wir die medizinisch berechtigen Härtefälle an die Caritas weiterleiten – dass in oft täglich wechselnden Regelungen überhaupt keine bis wenige, manchmal bis 10 Fälle zur Vorstellung über die MitarbeiterInnen der Caritas als Härtefall zugelassen werden. Dies ist eine völlig willkürliche Regelung, die mit ärztlichem Ethos und Handeln nicht vereinbar ist. Die Ärzte werden z.T. genötigt, keine Härtefälle zu definieren oder sie erhalten keine Gelegenheit, die Fälle vorzutragen. Wir wissen, dass nicht die Caritas, sondern das LaGeSo mit der beschränkten Bearbeitungskapazität (derzeit max. 130 Fälle pro Tag) die Ursache dieses Problems ist. Der Umgang mit den sich abspielenden menschlichen Tragödien wird von der Behörde einfach weitergereicht.

Zusätzlich werden die Mitarbeiter der Caritas und die Ärzte und medizinische Helfer von Patienten immer wieder massiv unter Druck gesetzt, ihnen zu helfen, ihre Belange beim LaGeSo vorzubringen. Keinem der Ärzte ist es je gelungen seine Argumente einem Mitarbeiter des LaGeSo persönlich vorzutragen. Nie gibt es eine Rückfrage von dort sondern die MitarbeiterInnen der Caritas sind allein dem Druck von allen Seiten ausgeliefert. Ein unhaltbarer Zustand. 
Durch unsere Arbeit haben wir bisher den Zustand versucht für die Patienten am LaGeSo abzufangen, um die größten medizinischen und humanitären Missstände für die Menschen erträglicher zu machen. 

Dazu sind wir nicht mehr bereit.

Wir fordern deshalb von der Leitung des LaGeSo, und dem Senat Berlin:

     Menschliche, rasche und in den Abläufen sinnvolle Registrierung der Flüchtlinge
     Einfacher und rascher Zugang zu den Leistungsabteilungen des LaGeSo
     Gesundheitsversorgung entsprechend der UN-Menschen- und Kinderrechtskonvention für alle Flüchtlinge, unabhängig vom Registrierungsstatus
     eine solide Versorgung der Schwangeren mit Schwangerschaftsvorsorge nach nationalem Standard, d.h. Gynäkologen und Hebammen am LaGeSo
     Versorgung aller Flüchtlinge mit medizinischer Eingangsuntersuchung und  Impfung entsprechend empfohlenen Standards
     die sofortige Einführung der Gesundheitskarte, die mit der Erstregistrierung allen eine Teilnahme an der öffentlichen Gesundheitsversorgung ermöglicht 

Überführung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen aller Berufe in ein ordentliches Angestelltenverhältnis oder ein Honorarverhältnis, oder zusätzliche Stellen der Charité für die nötigen Fachgruppen.


Unterschriften

Theodor Michael
Hartmut Wollmann

Ärztekammer-Präsi B: Medizinische Notversorgung kann nicht nur Aufgabe Freiwilliger sein

Quelle:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/fluechtlinge-in-berlin-medizinische-notversorgung-kann-nicht-nur-aufgabe-freiwilliger-sein/12499360.html

Flüchtlinge in Berlin Medizinische Notversorgung kann nicht nur Aufgabe Freiwilliger sein

27.10.2015 16:40 UhrVon Günther Jonitz
Der Präsident der Ärztekammer Berlin hat fünf Forderungen an den Senat bei der Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen. Denn ehrenamtliche Helfer sind bald am Ende ihrer Kräfte. Ein Gastkommentar 

Seit Beginn des Jahres sind nach Schätzungen insgesamt über 40.000 Flüchtlinge, vorwiegend aus Kriegsgebieten im Nahen Osten, in Afghanistan und Afrika nach Berlin gekommen. Diese Menschen suchen bei uns Schutz und Sicherheit. Es handelt sich um Männer, Frauen, Kinder, ganze Familien, teilweise mit Neugeborenen. Diese Menschen brauchen eine medizinische Versorgung. Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, sind nicht gesünder und nicht kränker als wir alle es auch sind. Die allermeisten Krankheiten, die hier behandelt werden, sind medizinisch einfacher Natur.
Es handelt sich beispielsweise um Erkältungskrankheiten, um Krankheiten des Bewegungsapparates, aber auch um infektiöse Hautkrankheiten, wie sie nach einer zum Teil mehrmonatigen Flucht ohne geeignete hygienische Möglichkeiten normal sind. Dazu kommen zudem Verwundungen, Kriegsverletzungen, sowie schlecht verheilende Operationswunden oder Wunden nach Kaiserschnitten. Ebenfalls befinden sich Schwangere unter den Flüchtlingen und zahlreiche Kinder aller Altersstufen. Zu diesen akuten Problemen leiden diese Menschen aber auch unter zu hohem Blutdruck, Zuckerkrankheit oder an Herzerkrankungen. All diese Krankheiten sind behandelbar, viele davon heilbar.
Die medizinische Versorgung der ankommenden Flüchtlinge findet in weit überwiegendem Maße auf freiwilliger Basis statt. Einen Anspruch auf Versorgung ihrer akuten Leiden durch Krankenhäuser oder niedergelassene Ärzte haben diese Menschen erst dann, wenn sie als Flüchtlinge registriert sind und sie einen sogenannten "grünen" Behandlungsschein erhalten haben. Bis dahin sind es ehrenamtlich tätige Ärztinnen und Ärzte, aber auch Zahnärzte, Hebammen und Krankenschwestern, die sich um diese Patienten kümmern.
Die Organisation dieser ehrenamtlichen Hilfe erfolgte im Wesentlichen spontan vor allem durch den Verein "Moabit hilft" und Eigeninitiative von Ärztinnen und Ärzten. So haben auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LaGeSo), dem ehemaligen Krankenhaus Moabit, in der Turmstraße Ärztinnen und Ärzte unter sehr primitiven Bedingungen begonnen, die Patienten zu versorgen. Ihnen wurde dann Mitte August – unter anderem durch die Intervention der Ärztekammer Berlin – Räumlichkeiten im Haus C, dem ältesten auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses Moabit stehenden Gebäude, zugewiesen.

Schwerstkranke müssen derzeit genauso vor dem LaGeSo warten wie Gesunde

In diesen Räumen, ohne fließendes Wasser, werden jeden Tag zwischen 150 und 200 Patienten aller Altersklassen von in der Regel drei Ärzten pro Schicht, einem Zahnarzt und ein bis zwei Hebammen medizinisch betreut. Die Caritas hat zwischenzeitlich den Auftrag erhalten, sich um das Management zu kümmern, allerdings stehen die nötigen Mittel aus, um auch die ärztliche Versorgung auf eine geregelte, hauptamtliche und damit stetige Basis zu stellen. Aus einer Kerngruppe von ca. 30 Ärztinnen und Ärzten wird ein wöchentlicher Dienstplan erstellt, in den sich die freiwilligen Fachärztinnen und Fachärzte eintragen, vor Ort einfinden und tätig werden. Auf einen Aufruf der Ärztekammer Berlin und des Marburger Bundes hin haben sich innerhalb von 1,5 Tagen über 800 weitere Ärztinnen und Ärzte gemeldet, um sich an der medizinischen Versorgung zu beteiligen.
Ein besonderes Thema sind die Härtefälle. Das sind Patienten, die besonders schwer erkrankt sind oder sich in einer besonderen Notlage befinden. Sie müssen bevorzugt administrativ versorgt werden. Diese Härtefallregelung hat in Berlin offensichtlich nicht funktioniert. Mütter mit Neugeborenen, Schwerstkranke mit zum Teil lebensbedrohlichen Erkrankungen müssen die gleiche Wartezeit vor dem LaGeSo aushalten wie andere Flüchtlinge auch. Dies führt nicht nur zu besonderem Leidensdruck bei den Betroffenen, sondern auch zu großem Unverständnis bei den freiwilligen Helfern, die sich hochengagiert in ihrem mitmenschlichen Bemühen vom LaGeSo im Stich gelassen fühlen. Hier muss dringend nachgebessert werden.
Nach nunmehr beinahe dreimonatigen ehrenamtlichen Einsatz im Schichtbetrieb steht fest, dass viele der freiwilligen Ärztinnen und Ärzte am Ende ihrer physischen und psychischen Möglichkeiten sind. Der Senat und das LaGeSo waren erstmals Mitte August aufgefordert, die Voraussetzungen für eine kontinuierliche medizinische Versorgung der Flüchtlinge zu schaffen. Diese Forderung wurde mehrfach wiederholt und bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht umgesetzt. Umgesetzt wurden durch konkrete Intervention des Gesundheitssenators Mario Czaja zahlreiche Verbesserungen im Kleinen.
Nach erneuter öffentlicher Kritik an den prekären Zuständen auf dem LaGeSo-Gelände scheint jetzt etwas Fahrt in die Sache zu kommen. Nachdem die Zuständigkeiten innerhalb des Senats Berlin offensichtlich jetzt klarer sind als vorher, hat sich die Charité interessiert gezeigt, die medizinische Notfallversorgung vor Ort zu übernehmen. Gleichzeitig wurde die Caritas beauftragt, sich ebenfalls um eine stetige medizinische Versorgung zu kümmern. Die dafür nötigen Ärztinnen und Ärzte und Hebammen sind vorhanden. Die Caritas kann aus dem Stand heraus die entsprechende Organisation übernehmen. Durch eine solche Entscheidung des Berliner Senats bzw. des LaGeSo kann das Thema der medizinischen Notfallversorgung der Flüchtlinge dauerhaft gelöst werden.

Nach wie vor gibt es keine staatlich organisierte medizinische Notfallversorgung für Nicht-Registrierte

Dass es anders geht, zeigt die zentrale Impfstelle. Nachdem die Amtsärzte Berlins bereits vor mehreren Monaten auf die Herausforderungen der medizinischen Betreuung der zu erwartenden Flüchtlingswelle hingewiesen haben und die Kassenärztliche Vereinigung ein Angebot zur Einrichtung einer zentralen Impfstelle unterbreitet hatte, nahm diese Anfang Oktober offiziell ihre Arbeit auf. Dort werden die Flüchtlinge nach ihrer Registrierung mit den nötigen Impfungen versehen, die sie selbst, aber auch ihre Umgebung vor vermeidbaren Infektionskrankheiten schützen. Diese zentrale Impfstelle ist lobend zu erwähnen, weil damit ein wichtiges Thema der Prävention vermeidbarer Krankheiten gelöst ist. Grundlage dieser Lösung war eine klare, einvernehmliche und konstruktive vertragliche Regelung zwischen Kassenärztlicher Vereinigung Berlin und Senat/LaGeSo.
Diese zentrale Impfstelle ist im ehemaligen Röntgenhaus des Krankenhauses Moabit untergebracht. Die räumliche und sachliche Ausstattung ist im Vergleich zu Haus C, in dem die Notfallversorgung stattfindet, begeisternd. Es gibt fließendes Wasser und großzügige beheizte Räume. Auch sind Lagerräume, Behandlungsräume und Büroräume voneinander getrennt. Dies findet im Haus C alles in einem einzigen Raum statt.
Die Rolle der Politik respektive staatlicher Einrichtungen in der medizinischen Versorgung ist – zumindest mir – unklar. Auch nach Auskunft des Präsidenten des LaGeSo gehört zur medizinischen Versorgung die Notversorgung auch derjenigen Flüchtlinge dazu, die noch nicht als Asylbewerber registriert sind und somit noch keine regulären Ansprüche nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz haben. Eine solche medizinische Notfallversorgung ist nach wie vor von staatlichen Einrichtungen nicht organisiert, trotz wiederholter mündlicher, schriftlicher und öffentlicher Aufforderung. Da es nach mehrfachen Aussagen führender Politiker in dieser Stadt nicht an finanziellen Problemen liegt, bleibt die Frage nach dem Grund.
Möglicherweise hat man das Problem unterschätzt, möglicherweise hat man sich so sehr auf das freiwillige Engagement der Zivilgesellschaft inklusive der Gesundheitsberufe verlassen, möglicherweise erleben wir jetzt bereits die ersten Auswüchse des Wahlkampfes zur Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin im Jahr 2016. All dies wäre gleichermaßen unerquicklich. Die Bewältigung der Herausforderungen im Zusammenhang mit der hohen Zahl an Asylsuchenden in Berlin kann nur gemeinsam gelöst werden. Das betrifft sowohl das Zusammenstehen innerhalb der politischen und staatlichen Organe, aber auch die Zusammenarbeit öffentlicher Organe und der Zivilgesellschaft. Politische Führung mit konkreten Lösungen ist gefragt.

Das fordert die Ärzteschaft:

Das haupt- und ehrenamtliche Engagement von Ärztinnen und Ärzten in Berlin zur medizinischen Betreuung von Flüchtlingen ist unbestritten. Ohne ausreichende Unterstützung durch den Staat ist der Erfolg dieser Bemühungen begrenzt. Deshalb fordert die Ärztekammer Berlin:
1. die Einführung der Gesundheitskarte für alle Asylsuchenden. Diese müssen sie so schnell wie möglich erhalten,
2. die Sicherstellung einer hauptamtlichen, medizinischen Erst- und Basisversorgung durch Haus- und Fachärzte,
3. den Ausbau der zentralen Impfstelle am LaGeSo zu einer zentralen Untersuchungs- und Impfstelle. In diese Impf- bzw. Versorgungsstelle müssen alle altersgerechten Impfungen gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission durchgeführt werden,
4. eine deutliche personelle Stärkung der bezirklichen Gesundheitsämter nach jahrelangem Stellenabbau,
5. die Beseitigung der gesundheitsgefährdenden Zustände bei der Erstregistrierung.
Das alles sind wir nicht nur den Flüchtlingen, sondern vor allem auch uns selbst und Berlin gegenüber schuldig. Die eigentliche Frage reicht weiter als die Frage, wie Flüchtlinge medizinisch versorgt werden, wie wir generell mit Flüchtlingen in Deutschland umgehen. Es geht vielmehr um die Frage, wie wir die Grundwerte unserer Gesellschaft erhalten. Es geht um Humanität und Solidarität, gerade im Umgang mit den Schwächsten unter uns. Eine Gesellschaft, die bei der ersten ernsten Herausforderung diese Grundwerte über Bord wirft, beseitigt ihre eigenen Grundlagen. Die Bereitschaft des weit überwiegenden Teils der Bevölkerung sich dafür einzusetzen und weit über das übliche Maß zur Versorgung der Flüchtlinge beizutragen, ist gegeben.
Günther Jonitz ist Präsident der Ärztekammer Berlin. Sein Beitrag erscheint im Rahmen der Tagesspiegel-Debatte zu Flüchtlingen in Deutschland.





Allert ist zurückgetreten - Berlins Regierungschef forderte ultimativ die Ablösung von LaGeSo Franze

Jetzt ist Müller mit seinen Versprechungen in der Pflicht. Und das wird eng für Ihn. Denn, so Müller:
"Müller kündigte an, die untragbaren Zustände vor dem Lageso in den nächsten Tagen spürbar zu verbessern, da wegen den Außentemperaturen in den kommenden Wochen ein stunden- oder tagelanges Warten vor dem Gebäude nicht mehr zu verantworten sei."


Es wird sich aller(t)-dings kaum etwas vor Ort ändern

http://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-michael-muellers-aufforderung-sozialsenator-mario-czaja-entlaesst-lageso-chef/12702466.html

Der monatelange Streit um das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) ist eskaliert: Lageso-Präsident Franz Allert verlässt seinen Posten. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hat am Mittwochabend dessen Rücktrittsgesuch angenommen. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte Czaja (CDU) zuvor aufgefordert, Allert zu entbinden.

Laut Geschäftsverteilung des Senats könnte Müller zwar Sozialsenator Czaja entlassen, nicht aber den Lageso-Präsidenten Allert, da das Lageso eine nachgeordnete Behörde der Sozialverwaltung ist.

Die Meldungen verdichten sich! War der Artikel in der NYT Ausschlag gebend? "LaGeSo Franze" muss gehen!?


Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) will, dass der Chef des Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) abgesetzt wird. Dem wird in der Flüchtlingskrise Versagen vorgeworfen. "Wir brauchen hier eine neue Spitze im Lageso, die ihre Verantwortung wirklich wahrnimmt", sagte Müller am Mittwoch in der RBB-"Abendschau". Da dafür aber die Sozialverwaltung zuständig sei, forderte er damit Sozialsenator Mario Czaja (CDU) auf, den Präsidenten der für Flüchtlinge zuständigen Behörde, Franz Allert, abzulösen.